Die Online Car Sales Studie zeigt: Immer mehr Menschen kaufen Autos online, aber das Autohaus bleibt der zentrale Ort des Kaufs. Wir erklären, warum kluge Händler den digitalen Vertrieb nicht als Ersatz, sondern als Verstärker des klassischen Verkaufs begreifen sollten.

Der digitale Verkaufsraum ist eröffnet - aber niemand hat das Licht angemacht

Die Nachricht klingt nach einem Paradigmenwechsel: 22 Prozent der Befragten kauften ihr Auto online, im Jahr 2020 waren es noch 9 Prozent [2]. Wer diese Zahl liest, könnte auf die Idee kommen, das Autohaus als physischen Ort habe ausgedient. Doch der Blick in die Details der Studie zeigt ein deutlich differenzierteres Bild, und genau dieses Bild sollten Händler verstehen, bevor sie ihr Budget in digitale Vertriebskanäle pumpen.

Denn während der Online-Kauf wächst, gibt es eine zweite, mindestens ebenso wichtige Zahl aus derselben Untersuchung: Das Autohaus als zentraler Kaufort wird mehrheitlich bevorzugt, insbesondere von der Generation Z [2]. Das ist bemerkenswert, denn die Generation Z gilt gemeinhin als die digitalste aller Generationen. Sie wächst mit dem Smartphone in der Hand auf, kauft Kleidung, Bücher und Elektronik selbstverständlich online - und will dann ausgerechnet beim teuersten Konsumgut des Alltags die physische Präsenz eines Autohauses? Genau das ist der Punkt, den viele Händler missverstehen.

Der Online-Kauf eines Autos ist nicht dasselbe wie der Online-Kauf eines Buches. Ein Buch ist ein standardisiertes Produkt, der Inhalt ist bekannt, die Qualität lässt sich über Rezensionen gut einschätzen. Ein Auto ist dagegen ein hochkomplexes Produkt mit unzähligen Varianten, Ausstattungslinien, Motoren und einem erheblichen finanziellen Risiko. Der Kunde kauft nicht nur ein Fahrzeug, er kauft ein Versprechen auf Mobilität, Sicherheit und nicht selten ein Stück Identität. Dieses Versprechen lässt sich digital nur bedingt einlösen.

Der Online-Kanal übernimmt zunehmend die Rolle der Informationsbeschaffung, der Vorauswahl und der Transaktionsabwicklung. Das Autohaus bleibt der Ort, an dem Vertrauen entsteht, an dem der Kunde das Fahrzeug hautnah erlebt und an dem die eigentliche Kaufentscheidung reift. Händler, die diesen Unterschied verstehen, können ihre Ressourcen gezielt einsetzen, statt in digitale Sackgassen zu investieren.

Das Autohaus als Anker: Warum die Generation Z den Schauraum liebt

Es widerspricht allen Klischees, aber genau die jüngste Käufergeneration hält dem physischen Autohaus die Treue [2]. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer klaren Logik. Die Generation Z ist mit einer schier unendlichen Auswahl an digitalen Optionen aufgewachsen, und genau diese Auswahl erzeugt ein Gefühl der Überforderung. Beim Autokauf, der in den meisten Fällen eine der größten finanziellen Entscheidungen des Lebens darstellt, suchen diese jungen Menschen nach Orientierung und Sicherheit.

Das Autohaus bietet genau diese Sicherheit, und zwar auf eine Art und Weise, die kein digitaler Kanal nachbilden kann. Es geht nicht nur um das Fahrzeug selbst, sondern um das gesamte Erlebnis. Der Kunde kann den Geruch des Leders wahrnehmen, die Verarbeitungsqualität der Materialien fühlen, die Sitzposition einstellen und die Proportionen des Fahrzeugs auf sich wirken lassen. Diese multisensorische Erfahrung ist durch keine noch so hochauflösende Produktvisualisierung zu ersetzen.

Hinzu kommt der menschliche Faktor, der in der digitalen Kommunikation oft auf der Strecke bleibt. Ein guter Verkäufer erkennt die Bedürfnisse seines Gegenübers, er kann auf Einwände reagieren, er kann zwischen den Zeilen lesen und er kann Vertrauen aufbauen. Diese Fähigkeiten sind in Zeiten zunehmender Digitalisierung nicht weniger wichtig geworden, im Gegenteil: Sie werden zum entscheidenden Differenzierungsmerkmal. Denn wenn alle Händler dieselben digitalen Tools nutzen, dieselben Online-Konfiguratoren anbieten und dieselben Social-Media-Kanäle bespielen, dann bleibt am Ende nur die persönliche Begegnung als Unterscheidungsmerkmal übrig.

Die Generation Z hat das offenbar intuitiv verstanden. Sie nutzt die digitalen Kanäle extensiv zur Vorbereitung, aber sie zieht den Abschluss im Autohaus vor. Das ist kein Widerspruch, sondern eine sinnvolle Arbeitsteilung. Der digitale Kanal spart Zeit, das Autohaus schafft Vertrauen. Kluge Händler sollten diese Arbeitsteilung aktiv unterstützen, statt sie zu bekämpfen oder zu ignorieren.

Die 85-Prozent-Falle: Wenn Investitionsbereitschaft auf Unwissen trifft

85 Prozent der Händler wollen in den nächsten zwei Jahren mehr in den Online-Autoverkauf investieren [2]. Diese Zahl klingt nach Aufbruchsstimmung, doch die Studie nennt im selben Atemzug ein ernüchterndes Detail: Die Möglichkeiten von Online-Sales-Lösungen sind bei den Händlern weitgehend unbekannt [2]. Hier klafft eine gewaltige Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit, und diese Lücke hat handfeste wirtschaftliche Konsequenzen.

Wer investieren will, ohne die Möglichkeiten zu kennen, investiert zwangsläufig ineffizient. Er kauft die teuerste Lösung, weil sie am besten beworben wird, statt die passende Lösung, weil sie am besten zum eigenen Geschäftsmodell passt. Er implementiert Funktionen, die keiner braucht, und lässt Funktionen außen vor, die den entscheidenden Unterschied machen würden. Und er misst den Erfolg an Kennzahlen, die nichts mit dem tatsächlichen Geschäftserfolg zu tun haben.

Das Problem ist struktureller Natur. Die Automobilbranche ist traditionell eine Branche der physischen Produkte und der persönlichen Beziehungen. Die digitale Transformation wurde lange Zeit als Bedrohung wahrgenommen, nicht als Chance. Entsprechend dünn ist das Know-how in vielen Autohäusern. Es gibt kaum Mitarbeiter, die sowohl das Autogeschäft als auch die digitale Welt wirklich durchdringen, und genau diese Doppelkompetenz wäre die Voraussetzung für erfolgreiche Investitionen.

Hinzu kommt die Dynamik des Marktes, die durch die anhaltenden Lieferengpässe zusätzlich angeheizt wird [2]. In einem Verkäufermarkt, in dem die Nachfrage das Angebot übersteigt, sinkt der Druck, sich mit komplexen Vertriebslösungen auseinanderzusetzen. Der Kunde kommt ohnehin, warum sollte man also in teure Online-Systeme investieren? Diese Logik ist kurzsichtig, denn die Marktverhältnisse können sich schnell ändern, und wer dann nicht über das nötige Know-how verfügt, steht vor einem massiven Nachholbedarf.

Direktkauf adé: Warum Finanzierungsmodelle den Vertrieb revolutionieren

Die Studie zeigt einen weiteren Trend, der oft übersehen wird: Der Direktkauf verliert an Bedeutung, während Leasing-, Abo- und Finanzierungsmodelle zulegen [2]. Das ist mehr als eine Randnotiz, es ist eine grundlegende Veränderung der Eigentumslogik. Der Kunde von heute will nicht unbedingt besitzen, er will nutzen. Er will mobil sein, ohne das Kapital zu binden, ohne das Risiko des Wertverlusts zu tragen und ohne sich um den Wiederverkauf kümmern zu müssen.

Für Autohäuser eröffnet dieser Trend neue Geschäftsfelder, aber er stellt auch neue Anforderungen an das Marketing. Wer Abo-Modelle oder Leasingangebote vermarkten will, muss anders kommunizieren als beim klassischen Verkauf. Es geht nicht mehr um die technischen Details des Fahrzeugs, sondern um die Flexibilität des Angebots, um die monatliche Belastung, um die Möglichkeit, jederzeit auf ein anderes Modell zu wechseln. Die Kommunikation muss sich vom Produkt auf das Nutzungsversprechen verlagern.

Gleichzeitig verändert sich die Rolle des Autohauses in der Wertschöpfungskette. Beim klassischen Verkauf war das Autohaus der Ort der Transaktion, der Ort, an dem der Besitzerwechsel vollzogen wurde. Bei Abo- und Leasingmodellen wird das Autohaus zum Dienstleister, der den Zugang zum Fahrzeug ermöglicht und den laufenden Betrieb sicherstellt. Diese Rolle ist weniger prestigeträchtig, aber sie ist langfristiger und planbarer.

Die neuen Modelle haben auch Auswirkungen auf die Kundenbindung. Wer ein Auto kauft, verschwindet nach der Transaktion oft für Jahre, bis der nächste Kauf ansteht. Wer ein Abo abgeschlossen hat, ist permanent in Kontakt, sei es durch monatliche Abrechnungen, durch Serviceleistungen oder durch die Option, das Fahrzeug zu wechseln. Diese kontinuierliche Beziehung ist ein unschätzbares Gut für jedes Autohaus, denn sie ermöglicht Cross-Selling, Up-Selling und eine viel präzisere Kundenansprache.

Neue Kanäle, neue Regeln: Instagram, TikTok und die Kunst der kurzen Aufmerksamkeit

Die Studie nennt einen weiteren Trend, der viele Händler vor Herausforderungen stellt: Neue Online-Vertriebskanäle wie Instagram- und TikTok-Reels oder Live-Sessions werden händlerseitig stark vorangetrieben und auf Kundenseite angenommen [2]. Das klingt nach einer Selbstverständlichkeit im Jahr des Herrn, ist es aber nicht. Viele Autohäuser tun sich nach wie vor schwer mit diesen Plattformen, weil sie deren Logik nicht verstehen.

Instagram und TikTok sind keine Verkaufsplattformen im klassischen Sinne, sie sind Aufmerksamkeitsmaschinen. Die Nutzer kommen nicht mit der Absicht, ein Auto zu kaufen, sie kommen, um unterhalten zu werden. Wer auf diesen Plattformen erfolgreich sein will, muss also erst unterhalten, bevor er verkaufen kann. Ein trockenes Produktvideo mit technischen Daten wird gnadenlos weggewischt, eine unterhaltsame Geschichte rund um das Fahrzeug hat dagegen das Potenzial, viral zu gehen.

Live-Sessions sind eine besonders interessante Entwicklung, denn sie verbinden die digitale Reichweite mit der persönlichen Interaktion. Der Kunde kann dem Verkäufer live Fragen stellen, er kann das Fahrzeug aus verschiedenen Perspektiven sehen, und er kann das Gefühl bekommen, dabei zu sein, ohne physisch anwesend zu sein. Diese Formate sind ideal, um die Lücke zwischen Online-Information und physischem Erlebnis zu schließen.

Die neue Welt der kurzen Videos stellt allerdings auch neue Anforderungen an die Mitarbeiter. Nicht jeder Verkäufer hat das Talent, vor der Kamera zu performen, nicht jeder fühlt sich wohl in der Rolle des Content-Creators. Autohäuser müssen hier neue Wege finden, sei es durch gezielte Schulungen, durch die Einstellung von spezialisiertem Personal oder durch die Zusammenarbeit mit externen Dienstleistern. Wer diese Kanäle ignoriert, verschenkt Reichweite, wer sie halbherzig bespielt, verschenkt Glaubwürdigkeit.

Daten statt Bauchgefühl: Die unterschätzte Basis des Online-Vertriebs

Jede Investition in den Online-Vertrieb steht und fällt mit der Qualität der Daten, die sie begleiten. Und genau hier zeigt sich ein massives Problem in der Branche: Mehr als ein Drittel der deutschen Autohäuser, konkret 38 Prozent von 524 untersuchten Domains, betreibt keinerlei Webtracking und agiert damit im digitalen Blindflug [3]. Man stelle sich vor, ein Händler würde sein Schaufenster gestalten, ohne jemals zu beobachten, wie viele Passanten stehen bleiben, welche Modelle sie interessieren und warum sie letztlich doch weitergehen. Genau das passiert im Digitalen täglich.

Die Zahlen aus der Webanalyse-Studie sind alarmierend, auch wenn sie auf den ersten Blick nur technisch wirken. Google Analytics 4 dominiert mit 44 Prozent Marktanteil, datenschutzfreundliche Alternativen wie Matomo oder etracker fristen ein Nischendasein [3]. Über 33 Prozent der Websites laden Tracking-Dienste bereits vor der Nutzereinwilligung, was datenschutzrechtlich unzulässig ist [3]. Und beim Google Consent Mode v2, seit dem Digital Markets Act verpflichtend, übermitteln 26,8 Prozent der betroffenen Domains keine verwertbaren Zustimmungssignale [3].

Diese Zahlen beschreiben ein doppeltes Problem. Zum einen geht es um die technische Seite, um die Frage, ob die Messinstrumente überhaupt korrekt funktionieren. Zum anderen geht es um die strategische Seite, um die Frage, ob die gewonnenen Daten auch richtig interpretiert werden. Ein Tracking-Setup, das Daten liefert, aber niemanden, der sie liest, ist genauso wertlos wie ein Tracking-Setup, das gar keine Daten liefert.

Die fehlende Datenbasis hat direkte Auswirkungen auf den Online-Vertrieb. Ohne verlässliche Daten weiß der Händler nicht, welche Kampagnen funktionieren, welche Kanäle Leads bringen und welche Inhalte die Kunden tatsächlich interessieren. Er investiert nach Bauchgefühl, und das Bauchgefühl ist in einer zunehmend komplexen digitalen Welt kein verlässlicher Ratgeber mehr. Marketingentscheidungen, die nicht auf Daten basieren, sind im Kern Glücksspiel, und bei den Margen im Autohandel kann man sich dieses Glücksspiel nicht leisten.

Der Kipppunkt: Warum die Branche jetzt handeln muss

Die TÜV NORD INSIGHT Studie 2026 spricht in ihrem Titel von einem Autohandel am Kipppunkt [5]. Dieses Bild ist treffend, denn die Branche steht tatsächlich an einer Weggabelung. Auf der einen Seite locken die digitalen Möglichkeiten mit dem Versprechen von Effizienz und Reichweite, auf der anderen Seite drohen die Kosten und die Komplexität der Umsetzung. Wer jetzt die falsche Abzweigung nimmt, wird es schwer haben, den Rückstand aufzuholen.

Die Studie basiert auf einer umfassenden Befragung von 800 Autokäufern und 250 Autohändlern [7], und genau diese Zweigleisigkeit ist ihr großer Wert. Sie zeigt nicht nur, was die Kunden wollen, sondern auch, was die Händler bereit sind zu liefern. Und zwischen diesen beiden Perspektiven klafft eine Lücke, die es zu schließen gilt. Die Realität ist nüchterner, als manche Digital-Evangelisten glauben machen wollen [5], aber sie ist auch weniger düster, als manche Traditionalisten befürchten.

Der Kipppunkt bedeutet nicht, dass das Autohaus untergeht, er bedeutet, dass sich das Autohaus neu erfinden muss. Die Zeiten, in denen ein Händler sein Geschäft allein über die physische Präsenz und die persönliche Beziehung definieren konnte, sind vorbei. Aber die Zeiten, in denen ein Händler sein Geschäft allein über digitale Kanäle aufbauen konnte, sind noch nicht gekommen. Die Zukunft gehört den Hybriden, den Händlern, die beide Welten verbinden und die Stärken der einen mit den Stärken der anderen kombinieren.

Die gute Nachricht ist: Die Branche hat die Zeichen der Zeit erkannt. Die Investitionsbereitschaft ist hoch [2], und es gibt Initiativen, die den Wandel aktiv begleiten. So bieten der Zentralverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe (ZDK), das Institut für Automobilwirtschaft (IfA) und Steinaecker Consulting in einer gemeinsamen Studie praxisnahe und zielgenaue KI-Lösungen an, die Autohäuser und Werkstätten im zunehmenden Wettbewerb zukunftsfest machen sollen [6]. Solche Angebote sind wichtig, denn sie übersetzen die abstrakte Digitalisierung in konkrete Handlungsoptionen.

Vom Schauraum zum Erlebnisraum: Die neue Rolle des physischen Autohauses

Wenn das Autohaus als zentraler Kaufort mehrheitlich bevorzugt wird [2], dann stellt sich die Frage, wie dieser Ort in Zukunft aussehen muss. Die Antwort lautet: Das Autohaus muss vom reinen Schauraum zum Erlebnisraum werden. Es reicht nicht mehr, Fahrzeuge auszustellen und auf Kunden zu warten, das Autohaus muss Geschichten erzählen, Emotionen wecken und Erlebnisse schaffen, die der Kunde nicht zu Hause am Bildschirm nachbilden kann.

Das bedeutet nicht, dass jedes Autohaus zum Freizeitpark werden muss, es bedeutet, dass die Aufenthaltsqualität steigen muss. Der Kunde soll sich wohlfühlen, er soll Zeit verbringen wollen, er soll das Autohaus als Ort der Begegnung wahrnehmen, nicht als Ort der reinen Transaktion. Eine gut gestaltete Lounge, eine interessante Ausstellung, ein freundliches Café, all das sind Elemente, die den Besuch im Autohaus zu einem Erlebnis machen.

Gleichzeitig muss das Autohaus die digitalen Elemente intelligent integrieren. Digitale Konfiguratoren, die den Kunden durch den Bestellprozess führen, interaktive Displays, die Informationen liefern, Virtual-Reality-Brillen, die das Fahrzeug in verschiedenen Umgebungen zeigen, all das kann das physische Erlebnis ergänzen und vertiefen. Die digitale Welt ist nicht der Feind des physischen Autohauses, sie ist sein Verstärker.

Die neue Rolle des Autohauses hat auch Auswirkungen auf das Personal. Die Verkäufer von morgen müssen nicht nur ihr Produkt kennen, sie müssen auch die digitalen Tools beherrschen, sie müssen in der Lage sein, die Online-Recherche des Kunden aufzugreifen und zu vertiefen, und sie müssen die neuen Finanzierungsmodelle erklären können. Die Anforderungen steigen, aber mit den Anforderungen steigt auch der Wert der Mitarbeiter, und genau das ist eine Chance für die Branche.

Der Weg nach vorn: Eine Strategie für den hybriden Vertrieb

Die Zahlen und Trends aus den Studien lassen sich zu einer klaren Strategie verdichten, die den Spagat zwischen digitalem Hype und physischer Realität meistert. Der erste Schritt ist die ehrliche Bestandsaufnahme: Wo stehen wir als Autohaus wirklich, welche Kompetenzen haben wir, welche Lücken müssen wir schließen? Diese Bestandsaufnahme sollte nicht nur die technische Ausstattung umfassen, sondern auch die Qualifikation der Mitarbeiter und die Prozesse im Haus.

Der zweite Schritt ist die Definition der eigenen Rolle im Vertriebsprozess. Jedes Autohaus hat andere Stärken, andere Zielgruppen, andere Marken. Ein Händler, der auf junge, urbane Kunden setzt, wird andere Schwerpunkte setzen als ein Händler, der auf Familien im ländlichen Raum spezialisiert ist. Die Strategie muss zur eigenen Situation passen, und sie muss die Erkenntnis berücksichtigen, dass das Autohaus als zentraler Kaufort weiterhin eine wichtige Rolle spielt [2].

Der dritte Schritt ist die konsequente Umsetzung, und hier spielen die Daten eine entscheidende Rolle. Wer seine Website nicht analysieren kann, wer nicht weiß, woher seine Anfragen kommen und welche Kampagnen funktionieren, der sollte zuerst in die Datengrundlage investieren, bevor er neue Vertriebskanäle erschließt. Die 38 Prozent der Autohäuser ohne Webtracking [3] haben hier einen massiven Nachholbedarf, und jede Investition in den Online-Vertrieb ohne diese Basis ist ein Schuss in den Ofen.

Der vierte Schritt ist die Schulung der Mitarbeiter. Die Möglichkeiten von Online-Sales-Lösungen sind bei den Händlern weitgehend unbekannt [2], und dieses Unwissen ist der größte Hemmschuh für die Digitalisierung. Wer seine Mitarbeiter nicht in die Lage versetzt, die digitalen Werkzeuge zu verstehen und zu nutzen, der wird die Investitionen nicht amortisieren können. Die gemeinsamen KI-Lösungen von ZDK, IfA und Steinaecker Consulting [6] sind ein Beispiel dafür, wie die Branche das Wissen aufbauen kann.

Fazit

Der Online-Vertrieb im Autohaus ist weder das Ende der Branche noch ihre Rettung, er ist eine Erweiterung ihres Werkzeugkastens. Die 22 Prozent Online-Käufer [2] zeigen, dass der digitale Kanal ernst genommen werden muss, aber die gleichzeitige Präferenz für das Autohaus als zentralen Kaufort [2] zeigt, dass die physische Präsenz unverändert wertvoll ist. Die Zukunft gehört den Händlern, die beide Welten verbinden und die Stärken der einen mit den Stärken der anderen kombinieren. Wer jetzt in die Datengrundlage investiert, seine Mitarbeiter qualifiziert und neue Vertriebskanäle intelligent erschließt, der wird den Kipppunkt [5] nicht als Bedrohung, sondern als Chance erleben.